UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR GASTROENTEROLOGIE, HEPATOLOGIE UND INFEKTIOLOGIE

Interdisziplinäre Sprechstunde für Patienten mit Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom; HCC)

Donnerstag 8:00-15:30

Die Sprechstunde wird immer interdiziplinär aus den folgenden Kliniken besetzt:

Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie

  • Dr. med. Jan Best, PD Dr. med. habil. Marino Venerito

Diagnostische und interventionell Radiologie

  • PD Dr. med. M. Powerski

Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/Transplantationszentrum

  • Prof. Dr. med. S. Wolf
  • Dr. med. J. Ahrend

Leberkrebs oder das Hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist eine bösartige Erkrankung, die von lebereigenen Zellen ausgeht. Es ist wichtig, dies von Tumoren der Gallenwege zu unterscheiden, und vor allem auch von Absiedelungen (Metastasen) bösartiger Herde, die anderen Organen entstammen. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa sieben von 100.000 Menschen. Derzeit sind jährlich etwa 6000 Patienten betroffen, wobei Männer deutlich häufiger erkranken als Frauen.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen allerdings sowohl bei Männern als auch bei Frauen verdoppelt.
In 80% der Fälle wird diese Erkrankung leider erst in einem fortgeschrittenem Stadium entdeckt, in dem nur eingeschränkte Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Dies liegt unter anderem daran, dass erst sehr spät Beschwerden im Zusammenhang mit dem Tumor auftreten und diese häufig unspezifisch sind. Für die Festlegung der Diagnose sowie der optimalen Therapie ist eine präzise Diagnostik erforderlich. Erst wenn das Stadium der Tumorerkrankung genau erfasst ist, kann eine gezielte Therapie angestrebt werden. Hier kommen verschiedene Verfahren zur Anwendung.

Behandlungsmöglichkeiten


Bei Leberkrebs ist eine Operation, also eine chirurgische Entfernung des Tumors die Methode der Wahl. Insbesondere einzelne, kleinere Herde können mit gutem Ergebnis operiert werden und die Prognose der Erkrankung verbessern. Die Möglichkeiten einer Operation sowie das genaue Ausmaß hängt von der Anzahl der Tumorknoten und von ihrer Lokalisation und Größe ab und ist leider in den meisten Fällen aufgrund des späten Zeitpunkts der Diagnosestellung nicht durchführbar. Auch die Leberfunktion, die z.B. bei Vorliegen einer Leberverhärtung (Zirrhose) eingeschränkt ist, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Therapieentscheidung.

In Fällen wo aufgrund der oben genannten Kriterien eine Operation nicht in Frage kommt, stehen heute mehrere Verfahren zur Verfügung, um die Tumorknoten direkt lokal zu behandeln. Diese sogenannten mikrotherapeutischen oder lokal-ablativen Behandlungsmethoden führen dazu, dass einzelne Krebsherde in der Leber direkt zerstört werden. Hierzu werden unter anderem Katheter oder "Applikatoren" in den zu behandelnden Knoten in der Leber eingebracht. Die Abtragung (Ablation) erfolgt dann über die eingebrachten Instrumente entweder mittels Laser (Laserablation) oder mit Hochfrequenzschwingungen (Radiofrequenzablation).

Eine weitere Möglichkeit ist auch die kurzfristige Einlage einer Strahlenquelle, um eine gezielte, lokal begrenzte Strahlentherapie durchzuführen (Brachytherapie oder Afterloading-Verfahren).

Alternativ kann auch eine sogenannte "Transarterielle Chemoembolisation" (TACE) durchgeführt werden. Bei dieser Technik wird über einen Katheter in der Leiste das Blutgefäß in der Leber erreicht, das den Tumor versorgt. Nachdem dann gezielt ein Zellgift in den Knoten gespritzt wurde, wird die Gefäßversorgung durch eine öliges Kontrastmittel unterbunden, so dass das Zellgift nicht ausgespült und der Herd nicht weiter versorgt werden kann.
Je nach Befund sind mehrere Sitzungen notwendig. In Studien wurde belegt, dass diese Verfahren teilweise ähnliche Erfolgsraten zur Tumorbekämpfung erzielen wie eine Operation.

Ein neues Verfahren ist auch die Therapie mit radioaktiv geladenen Mikrosphären, die selektiv in einzelne Lebersegmente gespritzt werden (Selektive interne Radiotherapie = SIRT).

Systemische Therapie


Bei besonders ausgedehntem Befund oder im Fall, dass die Behandlung nicht anspricht ist auch zusätzlich eine systemische Therapie mit Tabletten möglich. Diese kommt auch zum Einsatz, wenn bei ausgedehntem Befall oder bei Vorliegen von Tochtergeschwulsten ein lokales Verfahren nicht möglich ist. Zur Zeit steht nur ein Medikament zur Verfügung, für das in Studien eine Wirksamkeit bei Leberkrebs gezeigt werden konnte. Nexavar® (Wirkstoff: Sorafenib) wirkt über bestimmte Oberflächenstrukturen, die vor allem auf Tumorzellen vorkommen und blockiert bestimmte Stoffwechselwege die für das Wachstum der Tumoren erforderlich sind. Wie bereits oben für die Lokalmaßnahmen erwähnt, ist aber auch für die Gabe der Tabletten eine stabile Stoffwechselsituation der Leber zwingend erforderlich.

Es laufen derzeit sowohl national als auch international eine Vielzahl von Studien, in denen neue Substanzen in Einzel- oder auch in Kombinationsanwendung auf ihre Wirksamkeit hin getestet werden. Die Möglichkeit zur Teilnahme an einer solchen Studie wird von unseren Ärzten immer in dem jeweiligen Aufklärungsgesprächen angesprochen und angeboten.

Begleitend in der Behandlung muss immer auch eine symptomatische Therapie, insbesondere zur Gewährleistung der Schmerzfreiheit sowie eventuell auch zur Behandlung von Komplikationen wie beispielsweise Bauchwassersucht (Aszites) oder Mangelernährung einbezogen werden.

Letzte Änderung: 29.11.2018 - Ansprechpartner:

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